Frettchen gefunden!

Mama, ist das eine Ratte?

Nein, das ist ein Frettchen, das Glück gehabt hat, dass der kleine Nils mit offenen Augen durch die Welt geht. Denn trotz aller Sicherheitsmaßnahmen, ausbruchsicherer Geschirre und punktverschweisstem Volierendraht kann es passieren, dass das neugierige Raubtier unfreiwillig auf Wanderschaft geht, wenn sich ihm die Gelegenheit dazu bietet – keine gute Idee, wenn man den Weg nach Hause nicht kennt.

Der verlustig gegangene Besitzer wird natürlich alle Hebel in Bewegung setzen, den Ausbrecher wieder einzufangen – und das ist auch gut so, denn ein Frettchen hat, einmal unterwegs, wenig Chancen, den Weg nach Hause alleine wiederzufinden. Schuld ist der im Laufe der Domestikation verloren gegangene Orientierungssinn. So verhält es sich auch mit dem Jagdtrieb, was dazu führt, dass das Frettchen nicht in der Lage ist, sich in freier Wildbahn ausreichend mit Nahrung zu versorgen. Grund genug, allen zu danken, die beherzt zupacken, sollte ihnen einmal solch ein Streuner über den Weg laufen.

Woher weiß der potentielle Finder nun, ob es sich bei dem vermeintlich wilden Tier tatsächlich um ein Frettchen handelt? Die wild- oder iltisfarbenen Tiere zum Beispiel sind, wie der Name schon sagt, auf den ersten Blick dem freilebenden Iltis so ähnlich, dass nicht nur Laien Schwierigkeiten haben werden, die beiden auseinander zu halten. Ein gesunder Iltis wird sich allerdings nicht von Menschenhand aufgreifen lassen. Aber selbst bei andersfarbigen Tieren kann natürlich nicht erwartet werden, dass der überraschte Spaziergänger es als Frettchen identifiziert.

Ein Indiz kann sein, dass das Tier ein Brustgeschirr trägt, das sich von der Leine gelöst hat, und in den meisten Fällen keine Scheu vor Menschen zeigt. Lockrufe, rascheln oder ähnliches kann helfen, die Neugier des kleinen Räubers auf sich zu lenken, um ihn greifen zu können. Trotz aller Niedlich- und Zutraulichkeit ist Vorsicht geboten:  Frettchen sind Raubtiere und haben ein dementsprechendes Gebiss! Es kann sein, dass der Ausreisser es faustdick hinter den Ohren hat und nach der Hand schnappt. Hilfreich zu wissen ist, dass auch bei adulten Tieren ein beherzter Griff in das Nackenfell zur Tragschlaffe führt.

Der Transport im Auto erfolg im Normalfall in einem Kennel. Ersatzweise kann ein Karton, eine Klappbox oder auch der Einkaufskorb herhalten; im besten Fall so präpariert, dass das Tier während der Fahrt nicht aussteigen kann.
Der erste Weg sollte jetzt zu einem Tierarzt führen, der schnell feststellen kann, ob das Frettchen gechipt ist, um so seinen Besitzer ausfindig zu machen. Vielleicht kennt er selber das Tier sogar.

Auch ein kurzer Check des Allgemeinzustandes, der das Absuchen nach Zecken, Flöhen und Ohrmilben sowie den Blick in den Mundraum beinhalten sollte, ist wichtig. Ist das Tier verletzt? Wie stellt sich der Flüssigkeitshaushalt dar? Zeigt es Schwäche? Als Schnellverdauer braucht das Frettchen etwa alle 3-4 Stunden eine Mahlzeit, um nicht zu unterzuckern.

Lässt sich kein Halter ausmachen und der Findling kommt zunächst mit nach Hause, müssen einige Vorkehrungen getroffen werden. Ideal ist ein Raum, in dem das Frettchen sich aufhalten kann, der ausrangierte Hasenkäfig nur eine mäßige Alternative, denn durch die gegebenen Umstände wird die Verwirrung groß sein. Da ist es hilfreich, wenn der kleine Kobold zumindest etwas Bewegungsfreiheit hat. Dazu befreit man die Spielwiese auf Zeit am besten von allen Dingen, die gefährlich werden können – sei es für das Frettchen oder die Wohnungseinrichtung: Blumentöpfe, spitze, scharfe oder giftige Gegenstände, Kabel, andere Kleintiere und vermeidet tunlichst, dass es sich unter Schränken verkriechen oder auf Möbelstücke klettern kann. Ein verängstigtes Frettchen kann sehr ausdauernd sein.

Es braucht einen oder zwei Schlafplätze, für deren Ausstattung es reicht, alte T-Shirts, eine Fleecedecke oder ähnliche Textilien ohne Schlingen anzubieten. Ebenfalls müssen Toiletten zur Verfügung stehen; vorzugsweise in den Zimmerecken und in der Nähe der Schlafplätze. Sind keine Katzenklos und Streu vorhanden, kann man mit Schichten von Zeitung und Küchenpapier aushelfen.

Elementar sind natürlich Futter und Wasser, das in möglichst standfesten, nicht zu hohen Gefäßen gereicht werden sollte. Frettchentrockenfutter, das normalerweise immer verfügbar sein muss, ist im Handel leider nur schwer zu bekommen, daher sollte dem Waisenkind hochwertiges Katzenfutter angeboten werden. Marken wie Hill’s oder Royal Canin finden sich auch in kleinen Mengen im gut sortierten Tierfuttermarkt. Das Nassfutter-Angebot bietet ausreichend Möglichkeiten, auch übergangsweise richtig zu füttern mit Produkten von z. B. Animonda Carny, Schmusy oder Miamor.

Der nächste Schritt ist die Kontaktaufnahme zu Frettchenhilfsorganisationen (Regionalität beachten) und den hiesigen Tierheimen, um dem Kleinen die Heimkehr bald zu ermöglichen. Sicher wird er vermisst, denn Frettchen sind ausgesprochen soziale Rudeltiere, die alleine nicht glücklich sind. Dass das Tier eine Gruppe hat, zu der es gehört und die es vermisst, ist also mehr als wahrscheinlich.

Kann der Findling nicht länger beherbergt werden, helfen auch hier die Frettchenvereine; entweder durch Übernahme in die eigene Obhut oder Weitervermittlung an eine verantwortungsvolle Pflegestelle, bis das eigentliche oder zur Not auch neue Zuhause gefunden ist.

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