Vergesellschaftung

Was tun, wenn ein neues Frettchen dazukommen soll?

Vorweg sei gesagt, dass es die beste Voraussetzung ist, wenn bereits vorhandene Frettchen die Wahl ihres neuen Artgenossen selbst treffen können. Bei Vereinen und Frettchenhilfen ist es selbstverständlich, dass die eigenen Tiere dazu mitgebracht werden um die Verträglichkeit untereinander zu testen. Verläuft das erste Kennenlernen beiderseits friedlich, bestehen auch im neuen Zuhause – für die vorhandenen Tiere also in vertrauter Umgebung – gute Chancen.

Ist ein solcher „Test“ im Voraus nicht möglich, sollte man das Risiko nur eingehen, wenn man entweder bereit ist, dauerhaft zwei Frettchengruppen mit mind. je zwei Tieren getrennt zu halten oder die Möglichkeit hat, die Frettchen an die Vermittlungsstelle zurückzugeben.

Außerdem sollte man sich darüber bewusst sein, dass es im Fall von Unverträglichkeiten zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen den Tieren kommen kann, der für beide Seiten „Stress“ bedeutet. Daher sollten unbedingt Ressourcen für eine zeitweilige räumliche Trennung der Tiere vorhanden sein, um sie zunächst behutsam aneinander zu gewöhnen. Dazu ist in erster Linie viel Geduld und Durchhaltevermögen des Besitzers gefragt.

Weitere Tipps und Tricks, die sich bei Frettchenhaltern durchaus schon bewährt haben sollen:

Müssen die Tiere zunächst getrennt voneinander untergebracht werden, empfiehlt es sich, eine Sichtweite zu bieten.

Zu Anfang sollten sich die Tiere auf neutralem Terrain begegnen, d.h. in einen Raum der bestenfalls keinem der Tiere vertraut ist. Das hat den Vorteil, dass Besitzansprüche ans eigene Revier gedämpft werden und die neue Umgebung vielmehr zum erforschen, statt zum streiten anregt. Es sollte möglichst kein „Schlupfwinkel“, bzw. eine schwer erreichbare Stelle (bspw. unter einem Schrank) vorhanden sein, damit man nötigenfalls eingreifen kann, falls es zu Beissereien kommt. Desweiteren wäre ein Raum von Vorteil in man den Boden wischen und ein Fenster zum Lüften öffen kann, da die Tiere nicht selten vor Aufregung ihre Analdrüsen einsetzen und/oder ein „Angsthäufchen“ setzen.

Die Fütterung sollte möglichst gleichzeitig erfolgen damit sich keines der Tiere benachteiligt fühlt. Auch mit Leckerli, Spiel- und Streicheleinheiten sollte man keines der Frettchen bevorzugen sondern immer beide gleich behandeln.

Bei Streitereien kommt es zum typischen Beissen und „Schütteln“ in den Nacken des Gegners. Dies geschieht entweder aus Angst, Abwehr oder gar Agressivität gegenüber dem Eindringling. Es soll schon Wunder gewirkt haben, die Nackenpartie der Kontrahenten mit Vitaminpaste zu „präparieren“, was den „Angreifer“ zum abschlecken verführt. Somit kann man die Situation ein wenig entspannen und die Tiere merken, dass sie eigentlich nichts voreinander zu befürchten haben. Ob sich diese Methode als „Patentrezept“ eignet sei dahingestellt, denn nicht selten wird sich gegenseitig friedlich abschleckt und wenn keine Paste mehr da ist, beginnt die Zankerei von vorn. Ein Versuch sollte es allenfalls wert sein.

Der Fachhandel bietet ein Spray an, welches unter dem Namen „Bitter Apple“ bekannt ist. Es wird dem gebissenen Frettchen in den Nacken gesprüht. Ein äußerst ekelhafter Geruch/Geschmack hat, soll es den „Angreifer“ vom Beissen abhalten soll. Hier kommt es ebenfalls auf einen Versuch an.

Trotz aller Bemühungen kann eine Zusammengewöhnung auf Dauer durchaus erfolglos verlaufen. Erzwingen läßt sich in dieser Hinsicht nichts. Aus diesem Grund sollte man grundsätzlich von euphorischen Spontankäufen absehen, denn nicht selten wird der Neuankömmling aus diesem Grund zum Abgabetier. Jeder Frettchenbesitzer der ein weiteres Tier hinzu holt, sollte die Auswahl nicht nach seinem eigenen Ermessen treffen, sondern die Partnerwahl letztlich den Tieren überlassen.

An dieser Stelle sei auch erwähnt, dass der Begriff „Welpenschutz“ bei Frettchen NICHT relevat ist. Der sogenannte Welpenschutz ist lediglich allen Rudeltieren (bspw. dem Hund) zu zuordnen, deren Sozialverhalten dem Instikt von strengen Hirarchien unterliegt und in der Welpen als „neutrale“ Artgenossen angesehen werden. Frettchen sind keine Rudeltiere! Aus diesem Grund ist die Zuführung eines Welpen zu „Alttieren“ grundsätzlich keine Garantie.

Ebenso verfügen Frettchen nicht über eine sog. Prägephase wie z.B. Hunde. Dass Frettchen sich im Welpenalter besser an den Menschen binden ist ein Irrglaube. Die Bindung findet in jedem Alter gleich gut statt – im Gegensatz zum Hund, der sich in den ersten Lebenswochen wesentlich auf seinen Halter konditioniert.

Nicht selten sprechen sich Leute entgegen aller Empfehlung für die Einzelhaltung ihres Frettchens aus und verspüren doch „irgendwann“ (und sehr verspätet) den Wunsch auf ein weiteres Tier. In solchen Fällen ist die Problematik vorprogrammiert, da Tiere in Einzelhaltung ihre eigenen Artgenossen garnicht „kennen“. Insbesondere wenn sie (wie so oft) viel zu jung von Mutter und Geschwistern getrennt werden. Oft sind gerade diese Besitzer sehr enttäuscht und geben dem Tier die Schuld am Scheitern der Sache. Man sollte sich fragen, worüber sie enttäuscht sind. Darüber, dass sie vor der Erkenntnis stehen, was sie mit ihrer Einzelhaltung anrichtet haben?

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