Die kleine Liv

Hallo Leute,

ich bin Claire, und möchte an dieser Stelle die Geschichte von Liv erzählen, weil sie es leider nicht mehr selber kann! Ich wollte sie schon viel früher erzählen, aber ich war lange Zeit nach ihrem Tod sprachlos.

Ich war selber noch nicht lange bei den Frettchenfreunden Rhein-Ruhr e.V, da kam Liv zu uns in die Gruppe. Wir waren alle ja nicht das, was man gesund nennen kann, aber die Kleine war echt sehr krank! Sie war ein Anblick, den ich so schnell nicht vergessen werde...

Sie war so schwach, dass sie sich kaum bewegen konnte, die Knochen ragten überall aus der Haut heraus, so dürr war sie.

Liv wurde mit der Futterspritze gefüttert, denn selber futtern konnte sie nicht mehr. Das wurde alle 2 Stunden gemacht, denn wir brauchen das ja so oft, wegen unserer kurzen Verdauungszeit.

Als sie etwas zu Kräften gekommen war, erzählte sie uns von sich:

Liv war grade mal 1 Jahr alt und eine wunderschöne Albinofähe mit roten Augen. Sie wurde als Einzeltier gehalten und bekam keinerlei Zuwendung. Kaum Futter und Wasser. Das, was sie bekommen hat, musste sie sich sehr gut aufheben denn sie wusste ja nicht, ob es noch was gab. Sie war sehr enttäuscht von den Menschen! Sie konnte sich nicht vorstellen, wie man ein anderes Lebewesen so behandeln kann, aber sie erlebte es leidig am eigenen Körper.

Die Haltung war so schlecht, dass Liv krank wurde. Eine kleine Infektion, die behandelbar gewesen wäre, wenn sie zum Arzt gebracht worden wäre. Dies war ihr aber nicht vergönnt. Die kleine Infektion breitete sich in ihrem Körper aus, denn jeden Tag, sagte sie, tat ihr etwas anderes und mehr weh, aber am schlimmsten waren die Bauchschmerzen.

Sie sagte, dass sie irgendwann in einen Käfig gepackt worden ist und es kurz zu Fuß an die Straßenecke ging, wo schon eine Frau gewartet hat. Sie wurde kommentarlos übergeben, und so nahm sie die Frau mit. Diese Frau kenne ich, denn sie hat auch mich abgeholt.

Liv wurde erst mal durch den Tierarzt durchgecheckt. Sie wog nur noch 320 Gramm!!!! Ich habe es selber gesehen! Nur noch Haut und Knochen die Kleine! Der Anblick war echt schlimm, so was habe ich noch nie gesehen...

Liv wurde alle 2 Stunden mit der Futterspritze gefüttert und ihr glaubt gar nicht, wie dankbar sie dafür war! Sie sagte es immer wieder, es sind wohl doch nicht alle Menschen so grausam. Wir konnten nicht viel für sie tun, ausser, sie warm zu halten, indem wir uns an sie kuschelten. Es hat sich ein paar Wochen hingezogen, bis es Liv einigermaßen gut ging. Ihr Leben hing in dieser Zeit an einem seidenen Faden, der immer wieder zu reissen drohte. Aber Liv kämpfte und sie wollte leben, das sagte sie immer wieder und zeigte es auch den Menschen, bei denen sie jetzt war. Sie kämpfte sehr tapfer, das muss man echt sagen.

Dann haben wir mitbekommen, dass sie jetzt stark genug wäre, um beim Tierarzt die notwendige Operation zu machen. Da hatte sie echt Glück, denn der Tierarzt ist echt klasse! Da war ich auch schon!

Am nächsten Tag ist sie gleich früh zum Tierarzt gefahren worden, und als sie zurück gekommen sind, habe ich folgendes aufschnappen können: Bauchspeicheldrüse immer noch entzündet, veränderte Lymphknoten am ganzen Darm entlang, irgendwie wäre der ganze Darm eine einzige Entzündung.

Es sollen noch ein paar Untersuchungen gemacht werden, hat die Frau zu Liv gesagt und streichelte sie dabei. Ich konnte sehen, wie Liv ihr die Hand leckte und ich denke, dass Liv verstanden hat, dass man sich hier um sie kümmert und sorgt.

Nach einiger Zeit, in der es Liv relativ gut gegangen war, kam aber eine Wende, sie wurde immer schwächer und ruhiger. Die Untersuchungsergebnisse waren zum Glück jetzt auch alle da. Diese Frau kam zu uns und nahm Liv in den Arm und streichelte sie. Liv genoss diese Zuwendungen, denn das war das erste Mal, dass sie so was wie Liebe erfuhr! Liv wusste aber auch, was die Frau ihr sagen wollte: Die Infektion war schon zu weit fortgeschritten, um ihr noch helfen zu können. Das wusste Liv schon, sie spürte es schon am Abend zuvor.

Die Frau sagte Liv, dass sie am nächsten Tag noch mal zum Tierarzt fahren würden, um sie von ihren Schmerzen zu erlösen. Liv wusste genau, was das bedeutet, und schmiegte sich an den Menschen, der sie gefüttert hat und für sie einstand. Sie leckte ihre Hand in der Hoffnung, dass die Frau das verstand. Liv konnte und wollte auch nicht mehr. Sie wollte nur noch in Würde von dieser Welt gehen können.

Wir wussten auch, was es bedeutet! Und so genossen wir den letzten gemeinsamen Abend miteinander. Wir kannten uns ja nicht lange, aber uns verband etwas mit einander: Das Leid, das wir erfahren hatten!

So, ihr Menschen, das war die Geschichte von Liv. Ich wünschte, sie hätte sie selber erzählen können, aber es war ihr nicht vergönnt. Hätte man sie nur gleich zum Tierarzt gebracht, als die Infektion begann, dann wäre es nur eine kleine Sache gewesen. Aber wie soll man denn wissen, dass es dem Tier schlecht geht, wenn man sich nicht um das Tier kümmert. Nicht füttert, sondern isoliert oder eher quält!

Liebe Liv, halte mir ein Platz an deiner Seite warm und lege genug Küken und Mäuse bereit. Wenn es für mich an der Zeit ist, werden wir zusammen den ganzen Tag nur Blödsinn machen…hehehe…..

Bis dann, eure Claire